129 Jahre Philatelistenverein Grimma
 
Der Philatelistenverein Grimma 1887 e. V beging am 30. Mai 2012 den 125. Jahrestag seiner Gründung.
Auch wenn mit der Versendung von Briefen und Paketen schon vor vielen hundert Jahren begonnen wurde, bekam die Philatelie ihre Geburtsstunde am 6. Mai 1840: An diesem Tag erschien die erste Briefmarke der Welt, in Großbritannien die Black Penny (eine 1-Penny-Marke in schwarz). Eigentlich war die Briefmarke nur eine Gebührenquittung. Durch den schnellen wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland entstand natürlich auch ein größer werdendes Postaufkommen, was eine wachsende Notwendigkeit an Briefmarken mit sich brachte. Im Laufe ihrer Entwicklung wurde sie zum geschichtlichen Dokument über Ereignisse, Personen, Einrichtungen und die Entwicklung der Völker. Nicht nur deshalb wurde sie von immer mehr Menschen gesammelt, die sich mit Freunden trafen, sich austauschten und schließlich in Vereinen zusammenschlossen.
Am 01. Januar 1877 gründete sich der Internationale Philatelistenverein Dresden, dessen Mitglied am 21. April 1883 Herr Reinhold Große, Kanzlei¬sekretär an der Grimmaer Amtshauptmannschaft, wurde. Am 19. Dezember 1885 wurden zwei weitere Herren aus Grimma Mitglied: Herr Wilhelm Heinz, Regimentsschreiber, und Herr Karl Friedrich Max, Organist und 2. Mädchenlehrer (später Seminaroberlehrer).
Am 30. Mai 1887 – und dieses Datum ist für unseren Verein sehr wichtig – eröffnete man in Meinhold's Sälen in Dresden eine Postwertzeichenausstellung. Zur Eröffnung gehörte auch ein Festmahl. Bei diesem gemeinsamen Essen wurde die Sektion Grimma bekannt gegeben und damit ins Leben gerufen. Damit begann die Zeit des Philatelistenvereins Grimma 1887 e.V. Der erste Vorsitzende der Sektion Grimma war Herr Max, der sich auch außerhalb des Philatelistenvereins mit großem persönlichem und kulturellem Einsatz für die Grimmaer Bürger einsetzte. Einmal im Monat trafen sich die Sammlerfreunde zum Tausch und Gespräch, zunächst im Gasthof zum ,,Goldenen Löwen“ am Markt und ab 1894 im Restaurant "Zur Post" in der Lorenzstraße 12. Herr Max starb 1919.
Jeder kann sich vorstellen, dass in der Zeit der beiden Weltkriege der Verein zu sterben drohte, denn die Männer, die den Hauptteil der Mitglieder ausmachten, waren im Krieg. Aber er überlebte dank interessierter und aktiver Grimmaer Sammler. Zunächst übernahm 1919 Herr Dr. jur. M. Franz den Vorsitz, dann ab 1948 Herr H. Hadlich. Durch sie wurde das Vereinsleben neu belebt. Eine große Anzahl an Mitgliedern garantierte nicht nur einen Fortbestand sondern steht für eine sammlerorientierte Vereinsarbeit. Weitere Vorsitzende waren ab 1958 Herr Nötzoldt, ab 1975 Herr Tieme, ab 1980 Herr Schimmel und seit dem Jahr 2005 steht Herr Lehn an vorderster Stelle.
 
In der Zeit der DDR gehörte die Arbeitsgemeinschaft Philatelie Grimma zum Kulturbund der DDR. Durch zahlreiche Ausstellungen und Werbeschauen im Kunsthaus am Markt (heutige Rathausgalerie), im Rathaussaal, im Kreiskulturhaus (stand in der Nähe der Pöppelmann-Brücke) oder im Porzellanwerk Colditz war  man mit großem Einsatz in der Öffentlichkeit bekannt. Höhepunkt in dieser Zeit   war die 14. Lipsia Bezirksbriefmarkenausstellung im Kreiskulturhaus Grimma   vom 22. bis 23. 10. 1983. Gern besuchte man die Ausstellungen der Arbeitsgemeinschaft Philatelie Grimma; das zeigen hohe Besucherzahlen.  Sammler erfreuten sich an Sonderstempeln, -karten und –briefumschlägen, natürlich am Ausstellungsführer oder an der Sonderpostbeförderung.
                
            
   

Diese geschah zuweilen auf außergewöhnliche Art, z. B. mit einem sowjetischen Hubschrauber oder mit der Postkutsche oder mit einem Postreiter. Somit zählten diese Veranstaltungen zu kulturellen Höhepunkten der Region.

Mit dem Ende der DDR war auch das Ende des Kulturbundes der DDR verbunden. Auch wenn er als Kulturbund e. V. weiter bestand, schlossen sich Briefmarkenvereine zum Landesverband Sächsischer Philatelistenvereine e.V. im BDPh e.V. zusammen. Dieser Landesverband wurde am 29. 9. 1990 in Leipzig ins Leben gerufen. Jetzt konnte man auch wieder seinen eigenen speziellen Namen tragen: Philatelistenverein Grimma 1887 e. V. In den letzten 22 Jahren fanden sieben kleinere und zehn größere Ausstellungen statt. Die letzte GRIBRIA (GRImmaer BRIefmarken Ausstellung), übrigens immer eine Kreisausstellung (heute Offene-Ausstellung), fand im April 2012 statt.

 

Ein anderer Höhepunkt war schon im Jahr 2000: Die 800-Jahr-Feier der Stadt Grimma. Unter den vielen Aktionen anlässlich dieses Festes war auch unser Verein aktiv, mit einer Ausstellung, der GRIBRIA 2000. Außerdem gestaltete man den Festumzug mit zwei Bildern mit: zum einen „Sächsisches Postwesen“ mit Postläufer, Postillion, vierspänniger Postkutsche und einer Postmeilensäule und zum anderen „Vereine“, wobei ein Kremser mit Vereinsmitgliedern vertreten war.


Zahlreiche Ereignisse wurden durch Sonderdrucke (Karten oder Kuverts) des Vereins begleitet: u. a. Ausstellungen, 450 Jahre St. Augustin im Jahr 2000, das Hochwasser 2002 sowie zu den Vereinsjubiläen.

 
    
 
       
        
 
Bis heute erleben Sammlerfreunde zahlreiche Börsen und Tauschtage, Fachvorträge, Vereinstreffen (nicht nur für Vereinsmitglieder), Bildungsfahrten und gesellige Beisammensein. Es lohnt sich, mitzumachen und wertvolle Informationen zu bekommen oder einfach zusammen zu sitzen und zu erzählen: Wie war das denn früher? Hoffen wir, dass wir nicht nur auf 125 Jahre Vereinsgeschichte zurück schauen, sondern auch weiter mitgestalten und unser Wissen weitergeben können.